Mut zum Klimaschutz! Wie Howey Ou die chinesische Gesellschaft zum Klimaschutz aufruft – eine Übersicht

Seit Mai 2019 geht Howey Ou für Klimaschutz auf die Straße. Die inzwischen 18-Jährige ist die erste Klimaaktivistin Chinas. Über die von ihr ins Leben gerufene Untergruppe der weltweiten Fridays For Future Bewegung Fridays For Future China folgt sie Greta Thunbergs Beispiel und informiert, vernetzt und ruft Menschen in China, sowie weltweit mit ihren Aktionen online und offline zu umweltschützender Veränderung, Umdenken und Handeln auf. Allerdings setzt sie sich schon lange nicht mehr nur freitags für das Klima unseres Planeten ein.

Ihren ersten offiziellen Klimastreik führte Howey Ou vor dem ehemaligen Regierungsgebäude in ihrer Heimatstadt Guilin, im Südosten Chinas durch. Mehrere Tage lang protestierte sie dort und machte mit selbst gebastelten Schildern auf die Klimakrise aufmerksam. China ist kein einfaches Pflaster für Demonstrationen und Protestaktionen. Das autoritäre Regime zieht eine lange und brutale Geschichte gegen sich auflehnende und andersdenkende Bürger*innen hinter sich her, sodass auch Howey Ou davon betroffen ist. Nicht nur für ihren Protest in Guilin wurde sie von Beamt*innen verscheucht, sondern auch bei Aufklärungsarbeit auf der Straße, wo sie Poster auslegt und mit Menschen über Klimaschutz ins Gespräch zu kommen versucht. Des Weiteren wurde sie vorläufig der Schule verwiesen und dürfe erst wieder am Unterricht teilnehmen, wenn sie ihren Aktivismus einstelle. Das aber kommt für die junge Klimaaktivistin nicht in Frage. Mit Geschick die strenge chinesische Zensur umgehend, schreibt sie auf der in China verbotenen Social Media Plattform Twitter:

[…] I can’t imagine China to be absent in this battle, even fear to see it as blank. If no one is really doing anything, the I have to. (TWITTER 2020)[1]  

Allerdings stellen sich ihr nicht nur die Behörden und die Regierung in den Weg – auch die chinesische Gesellschaft im Allgemeinen zu erreichen erweist sich als teilweise schwierig. Dazu schreibt Howey:

“As we’re doing Day 75 of #气候罢课  the attitude of people being indifferent about their future is surprising and sighing. They walk on the streets, but it’s like the walking dead, they clog their eyes with invisible hands, clogging their ears, not listening to the truth about climate and ecological extinction, the biggest crisis mankind has ever seen. […]” (INSTAGRAM 2020)[2]

Darüber hinaus erklärt sie in einem Interview mit The Guardian im September letzten Jahres, dass viele Menschen in China in erster Linie nicht oder nicht ausreichend über die Klimakrise informiert seien und viele die chinesische Regierung und ihre Entscheidungen unterstützen würden. Des Weiteren macht sie deutlich, dass es in China nicht möglich sei einfach eine Petition oder Proteste zu organisieren, um etwas gegen die Klimakrise zu unternehmen. Selbst wenn Menschen sich einsetzen wollen würden, glauben sie Chinas Aktivismus sei zum Scheitern verurteilt und der Preis dafür zu hoch.

Doch Howey lässt sich nicht unterkriegen. Seit ihrem ersten Protest in Guilin im Mai 2019 hat sie viel in Bewegung gesetzt. Neben Infoständen auf der Straße veranstaltet sie regelmäßige Filmvorführungen zum Thema Klimakrise und Klimaschutz, hält Reden und ruft zu anschließenden Diskussionsrunden auf. Mehrere Nachrichtenvideos im internationalen Fernsehen und auf Youtube zeigen sie und weitere Klimaaktivist*innen und Unterstützer*innen beim täglichen Müllsammeln zum Beispiel am Ufer eines Flusses in ihrer Heimatregion Guilin. Während der starken Überschwemmungen, die die südlichen Regionen Chinas im Juni diesen Jahres heimsuchten, besuchte sie direkt von der Klimakrise betroffene Farmer*innen, die durch die Überschwemmungen all ihr Hab und Gut verloren hatten. Mit ihrer Aktion Plant For Survival pflanzt sie mindestens jeden Freitag Bäume mit Freund*innen und Unterstützer*innen. Um ihre Pflanzaktion zu unterstützen, klickt gerne hier. Im Juli organisierte sie ihren ersten die-in Protest, um auf sterbende Kinder, die den Folgen der Klimakrise zum Opfer fallen, aufmerksam zu machen.[3]

Für den world wide climate strike am 25. September rief sie zu der Protestaktion Silent Strike For China auf. Die teilnehmenden Aktivist*innen klebten sich den Mund mit schwarzem Klebeband zu und forderten auf Schildern und Plakaten politisches Handeln gegen die Klimakrise. Vor allem Schüler*innen und Student*innen wurden dazu aufgerufen. Howey selbst demonstrierte mit einer kleinen Gruppe Aktivist*innen vor dem Exhibition Center in Shanghai. Ihre stille, friedliche Demonstration wurde gegen sechs Uhr abends von der Polizei aufgelöst und sie und drei weitere Aktivist*innen wurden festgenommen. Howey wurde nach zwei Stunden wieder entlassen, der Rest der Gruppe gegen elf Uhr abends. Die darauffolgenden zwölf Stunden wurden all ihre Schritte überwacht. Howey macht den Vorfall auf ihren sozialen Medienkanälen publik und schreibt, dass sie stolz darauf sei, Freunde zu haben, die sich für eine solch wichtige Aktion auch mit ihr zusammen festnehmen lassen.

Im Oktober erklärt sie, dass ihr Account auf der chinesischen Social Media Plattform Weibo attackiert und auf unbestimmte Zeit gesperrt wurde.

Inmitten Howeys regelmäßigen Aktionen sticht außerdem eine Protestaktion Mitte November hervor, bei der sie acht Stunden lang vor einem Hotel in der Millionen Stadt Guangzhou in der Kälte verbrachte, um gegen Hotelketten und deren unmenschlichen, umweltzerstörenden Service und Konsum zu demonstrieren. Neben der Nutzung fossiler Brennstoffe und die damit verbundenen freigesetzten Treibhausgasen, produziere die Hotelindustrie durch Einmalprodukte außerdem große Mengen an Müll, so Howey. Gemeinsam mit Klimaaktivist*innen weltweit rief sie im Dezember zu online und offline Aktionen auf, um Politiker*innen aufzufordern dem Pariser Klimaabkommen endlich nachzukommen.

Eins ist damit sicher – Howey Ou kämpft diesen Kampf längst nicht mehr allein! Um sie weiter zu unterstützen setzen auch wir uns ein, ihren Aktivismus auf Deutsch zugänglich zu machen und weiter über ihre Aktionen zu informieren.

Quellen:

www.twitter.com/howey_ou

www.instagram.com/howey_ou/?hl=de

www.instagram.com/fridaysforfuturechina/

www.theguardian.com/world/2020/jun/11/china-floods-dozens-killed-and-hundreds-of-thousands-displaced

www.theguardian.com/world/2019/sep/18/china-young-climate-heroes-fight-apathy-party-line

www.taz.de/Chinesische-Aktivistin-Howey-Ou/!171559/

Mehr Infos unter:

www.twitter.com/howey_ou

www.instagram.com/howey_ou/?hl=de

www.instagram.com/fridaysforfuturechina/

www.nytimes.com/2020/12/04/world/asia/ou-hongyi-china-climate.html

www.tagesschau.de/ausland/china-klimaaktivistin-101.html

www.dw.com/de/chinesische-sch%C3%BClerin-fast-allein-im-klimastreik/a-51038344

The climate crisis – 17-year-old Howey Ou launched a solo march – Chinese climate activist: www.youtube.com/watch?v=RqyFFQe0ql4

Howey Ou – China’s 17-year-old Fights For Your Future: www.youtube.com/watch?v=5jAZpusLq2Y


[1] Übersetzung: Ich kann mir nicht vorstellen, dass China diesen Kampf (gegen die Klimakrise) nicht mitkämpft und nur untätig zusieht. Wenn niemand etwas tut, muss ich etwas tun.

[2] Übersetzung: Auch am 75. Tag unseres Klimastreiks verhalten sich die Menschen immer noch gleichgültig gegenüber der Zukunft, was traurig und überraschend ist. Die Menschen laufen durch die Straßen wie Zombies, sie halten sich die Augen mit unsichtbaren Händen zu, auch ihre Ohren, sie wollen nichts von der Wahrheit über die Klimakrise und das Aussterben der Umwelt hören – die größte Krise, die die Menschheit je gesehen hat. […]

[3] Ein die-in Protest ist eine Art des Protests, bei dem sich Teilnehmende zu einem bestimmten Zeitpunkt auf den Boden legen und totstellen, um Aufmerksamkeit für lebensbedrohliche oder unmenschliche Themen zu erregen

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